Die Renaturierung des Rothbachtals: Zusammenfassung

2. Lebensräume und Arten: Vielfalt statt Einheit

Die Feuchtwälder in der Gemarkung Gehlert befinden sich überwiegend im Natura2000-Vogelschutzgebiet Westerwald (VSG-7000-002). Die Waldstandorte im Quellbereich des Rothbachs liegen etwa zur Hälfte darin. Landesweit befindet sich hier eines der wichtigsten Brutvorkommen von Schwarzstorch, Rotmilan, Uhu und Rauhfußkauz sowie das wichtigste rheinland-pfälzische Brutvorkommen für Neuntöter, Haselhuhn, Wiesenpieper und Braunkehlchen. Im Jahr 2006 wurde eine Biotopkartierung durchgeführt. Große Bereiche des Rothbachtals wurden als wertvolle Biotope nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz erfasst und stehen damit unter pauschalen Schutz: Sicker- und Sumpfquellen, Quellbäche, Mittelgebirgsbach, Erlenbruchwald und Bodensaurer Binsensumpf.

links: Ausschnitt aus dem Vogelschutzgebiet "Westerwald" im Bereich der Ortslage Gehlert (grüne Fläche=VSG 7000-002) / rechts: Kartierkulisse der Biotopkartierung aus 2006 im Bereich der Ortslage (schraffierte Fläche=biotopkartiert)

Die Böden im Quellbereich des Rothbachs sind sauer und nährstoffarm. In Verbindung mit der historisch bedingten und bis heute fortwährenden extensiven Bewirtschaftung der Auen haben sich unterschiedliche Feuchtwiesentypen entwickelt, die sich aktuell durch ein kleinteiliges Mosaik aus unterschiedlichen Pflanzengesellschaften auszeichnen. Auf engem Raum verzahnen sich im Offenland Borstgrasrasen, Pfeifengraswiesen sowie bodensaure Seggen- und Binsensümpfe. Der Erhalt dieser Pflanzengesellschaften und Arten ist von großer Bedeutung. Einerseits um den Biotopverbund dieser seltenen und räumlich stark begrenzten Strukturen zu sichern bzw. wiederherzustellen, andererseits aber auch um eine möglichst große genetische Vielfalt zu bewahren. Für den Erhalt der Biodiversität kommt ihnen daher eine überregionale Bedeutung zu. Wertgebende Arten sind z.B. Sumpfblutauge (Potentilla palustris), Borstgras Borstgras (Nardus stricta L.), Rispen- und Pillensegge (Carex paniculata und C pilulifera), Dunkers Quellschnecke (Bythinella dunkeri) und der Schwarzstorch (Ciconia nigra). Die Pflanzengesellschaften kommen im Rothbachtal zum Teil nicht in günstiger Ausprägung vor. Beeinträchtigungen entstehen durch die schnelle Ableitung von Niederschlagswasser durch zahlreiche Entwässerungsgräben – sowohl aus den Waldbereichen als auch aus dem Bereich des Offenlandes heraus.

links: Sumpfblutauge / rechts: Schwarzstorch

Eine Beprobung im Offenlandbereich ergab 2025 einen Moorkörper mit einer Mächtigkeit von bis zum 1 m Tiefe, was einer Entwicklungsdauer von rund 1000 Jahren entspricht. Durch mündliche Überlieferungen gehlerter Bürger ist bekannt, dass in Bereichen der Mooraugen in einer Tiefe von 2,50 m kein fester Untergrund gefunden wurde. Demzufolge scheint das Moor weitaus älter zu sein. Auch Moore unterliegen dem Schutz des § 30 BNatSchG.