Die Renaturierung des Rothbachtals: Zusammenfassung

3. Degradierter Quellbereich mit Potential

von links nach rechts: Entwässerungsgraben im Fichtenbestand, durch Totholz aufgestauter Quellbereich, Feuchtwald bei Gehlert (unten)

Um die land- und forstwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen, wurden die Wiesen sowie die Feucht- und Bruchwälder des Rothbachtals wahrscheinlich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gezielt entwässert (Entwässerungsgräben: vgl. orangefarbige und gelbe Linien).  In Kombination mit der Errichtung eines massiven, aus Basaltschotter der Umgebung angelegten Dammweges, stellten sie die Voraussetzung für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung des Quellbereiches des Rothbachs dar (Anbau von Fichten und Buchen, Beweidung). Die Eingriffe in den natürlichen Wasserhaushalt der Landschaft sind noch heute wirksam, sodass die Standortbedingungen der ehemals von Bruchwäldern dominierten Waldstandorte als auch jene der von Niedermoorstrukturen geprägten Offenlandstandorte erheblich verändert wurden.

Bei den prognostizierten weiter steigenden Temperaturen und zugleich sinkenden Niederschlagsmengen in der Vegetationsperiode, ist die Verfügbarkeit von Wasser zentrales Element für den Erhalt funktionsfähiger Wälder im Klimawandel. Im Quellbereich des Rothbachs ist dazu ein Rückbau der entwässernden Strukturen dringend erforderlich. Prioritäres Ziel ist dabei die Verbesserung des Wasserrückhaltes im Gebiet (einschließlich Wasserverteilung und -speicherung), wodurch auch die Auswirkungen der nach Starkregenereignissen auftretenden Spülstöße für die Gemeinde Gehlert und die Hachenburger Altstadt erheblich abgemildert werden können. Neben der Verbesserung des Wasserrückhaltes in der Landschaft kann zugleich die Grundwasserneubildungsrate positiv beeinflusst werden, was für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung, besonders bei zunehmenden extremen sommerlichen Hitzewellen, vermehrt an Bedeutung gewinnt. Ein weiteres Ziel ist es, dem Humusverlust im Waldboden entgegenzuwirken. Dieser ist ein sehr wertvoller Wasserspeicher in den Böden, da er das 10-fache seines eigenen Gewichts an Wasser halten kann (https://www.boell.de/de/bodenatlas). Diese Leistung erbringt er sowohl in Dürrezeiten (als Wasserspender) als auch in Zeiten des Wasserüberflusses (als Wasserspeicher). Ein unschätzbarer Wert kommt dem Humus zu, da dessen Neubildung in mitteleuropäischen Wäldern sehr lange Zeiträume umfasst. Je nach klimatischen und standörtlichen Bedingungen sind dies nur ca. 1–3 cm in 100 Jahren! Letztlich werden Feuchtlebensräume künftig unter noch größeren Trockenstress geraten. Da viele (auch seltene) Tier- und Pflanzenarten an diese Lebensraumbedingungen angepasst sind, müssen Bruchwälder, Feucht- und Nasswiesen unbedingt gefördert und erhalten werden.
In der Biotopkartierung wird für die ‚Auen und Wälder am Rothbach südöstlich von Gehlert‘ die Erhaltung und Renaturierung naturnaher Bachbereiche und die weitere Entwicklung artenreicher Grünlandvegetation, besonders im feuchten Grünland und in den Quellbereichen, als Schutzziel festgehalten. Naturnahe Wälder sollen erhalten und entwickelt werden, indem Fichtenbestände in standortgerechte Wälder umgebaut werden.

Aus all diesen Gründen erfolgt die Wiederherstellung der möglichst weitgehend natürlichen hydrologischen Dynamik im Quellbereich des Rothbachs mittels klein dimensionierter Renaturierungsmaßnahmen an neuralgischen Punkten. Damit wird die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Quellbereiches auf den o.g. Ebenen verbessert. Durch kleine Maßnahmen wird das Wasser aus den Gräben heraus zur Wiedervernässung in Wald und Offenland gelenkt. Dazu müssen Gräben verstopft und gezielte Überläufe zur breitflächigen Verteilung des Wassers in der Fläche geschaffen werden.

Bestandsplan im Untersuchungsgebiet, Maßstab 1:7500 (mit eigener Darstellung)